911 Boxerstories

2016er Porsche 911 GT3 RS (Typ 991) APC in ‚Acidgreen‘, in Szene gesetzt und dokumentiert von Carsten Krome.

Beim Gesellschafter-Fahrtag auf dem Bilster Berg zeigte sich ein außergewöhnlicher Porsche 911 GT3 RS (Typ 991) der ersten, unerwartet weit verbreiteten Serie. In grellem ‚Acidgreen‘ foliert, war die Sportversion mit 500 PS und Siebengang-PDK ein absoluter Blickfang. Kurze Zeit später, inzwischen mit Sponsoren-Aufklebern versehen, tauchte ein- und dasselbe Coupé aus dem Rennstall von AP Car Design beim Porsche Sports Cup auf. Carsten Krome berichtet über ein auffallend wandlungsfähiges ‚Projektfahrzeug light‘, bei dem Geschwindigkeit in vielerlei Hinsicht die Hauptrolle spielt.

Aufgrund seiner Straßenzulassung bietet der 310 km/h schnelle Porsche 911 GT3 RS (Typ 991) der ersten Serie mit seinem Vierliter-Motor und seinem übergroßen Heckflügel eine Alternative zum 911 GT3 Cup. Er ist entsprechend beliebt. Im Porsche Sports Cup sowie bei den immer stärker frequentierten Trackdays setzte sich der Leichtbau-Elfer als Sportgerät für Gutbetuchte durch. Das führte zwangsläufig zu einer Uniformität in der Liga der Exklusiven – für kritische Zeitgenossen ein Dilemma: Wie sollen sie sich von anderen unterscheiden? Klassisches Tuning ist in diesen Kreisen schon lange nicht mehr salonfähig. Der technische Reifegrad heutiger Kleinserien-Sportler von Porsche lässt keinen Raum mehr für sinnvolle ‚Verbesserungen‘. Das weiß man, und daran gibt es nichts zu rütteln. Es Stimmt schon: Wer am Porsche Sports Cup teilnehmen möchte, kann Justierungen vornehmen, sein Fahrwerk genau einstellen lassen, mit Sturz, Spur, Höhenstand und dem Luftdruck der Michelin-Sportreifen arbeiten. Ein Rennfahrer im Porsche Carrera Cup geht kaum anders vor. Wettbewerbsvorteile schafft nur ein regelmäßiges Training – man muss fahren, fahren, und nochmals fahren, um schnell zu sein. Dazu erscheinen Privatrennstrecken Bilster Berg wie geschaffen: kein Schauplatz öffentlicher Rennen – noch nicht – , statt dessen eine diskrete Sportstätte von höchster Attraktivität. Wer zum erlesenen Kreis der Gesellschafter zählt, trifft sich in den Sommermonaten alle vier Wochen zum gemeinsamen Fahrtag mit erstklassiger Bewirtung und Zeitmessung.

Anerkannte Profis wie Thomas Nater von AP Car Design oder Altfrid Heger, seit 2005 der organisatorische Kopf des Porsche Sports Cups, sind an den Gesellschafter-Fahrtagen mit ihren Kunden vor Ort. Sie bieten Coachings an, Einzeltrainings und im Fall von Thomas Nater sicher auch technische Unterstützung. Das kann zum Bespiel Leichtbau-Konzepte umfassen, die nicht in das Regelwerk einer Rennserie wie dem Porsche Sports Cup passen. Erlaubt ist dort oben am Biester Berg, was gefällt, und da kann es passieren, dass von den 1.420 Kilogramm, die ein GT3 RS von Hause aus auf die Waage bringt, noch so einiges an Gewicht heruntergeschraubt wird. Zum Vergleich: Die Cup-Ausführung desselben Porsche-Modells (991 Mk1) kommt mit 1.175 Kilogramm deutlich leichtfüßiger daher, manche Erkenntnisse und Komponenten lassen sich übertragen. Zu den automobilen Spezialitäten, die solch ein Gesellschafter-Fahrtag zu bieten hat, zählt denn auch ein erheblich gewichtsoptimierter Porsche 911 GT3 RS eines passionierten Sportfahrers aus Arnsberg im Sauerland. Für das Pendant in der Sonderfarbe ‚Acidgreen‘ gilt das nicht: Dieser 911 GT3 RS – ebenfalls von AP Car Design in Göttingen vorbereitet – ist ein Multitasking-Genius.

Einerseits sind Einsätze bei den Gesellschafter-Fahrtagen am Bilster Berg möglich, andererseits wird dieses Exemplar von einem festen Kunden im Porsche Sports Cup gefahren. Jedwedes Abweichen vom bewusst seriennah gehaltenen Technik-Stand schließt solche Mehrfachnutzung aus. Es bleibt bei den 500 PS, die der 3.996 ccm große Sechszylinder-Boxermotor mit Direkteinspritzung freisetzt, und es bleibt zwangsläufig auch bei den 1.420 Kilogramm, die der Porsche 911 GT3 RS wiegt. Sogar die grundsätzlich für die Straße zugelassenen, mega-breiten Michelin-Sportreifen – an der angetriebenen Hinterachse sogar in 325/30 ZR 21 – müssen im Porsche Sports Cup verwendet werden. Auf diese Weise sollen die Kosten überschaubar gehalten werden. Altfrid Heger, wie Thomas Nater am Bilster Berg zugegen, erläutert die recht eigenwillige Philosophie: ‚Im Porsche Sports Cup holen wir die Porsche-Enthusiasten ab, denen es um die reine Fahrfreude geht, um ein Motorsport-Erlebnis mit Seele und mit Bodenhaftung. Die heutigen Sportreifen von Michelin sind so gut, dass man bedenkenlos eine Renndistanz mit ihnen fahren kann. Natürlich ist es wichtig, von kompetenter Seite betreut zu werden, um mit dem richtigen Luftdruck und mit den richtigen Einstellwerten Spaß zu haben.‘

Thomas Nater, dessen Team AP Car Design seit 2013 Jahr für Jahr den Meister im Sports Cup stellt, pflichtet Altfrid Heger bei: ‚Es ist als Kunde heute entscheidend, eine erfahrene Mannschaft hinter sich zu wissen. Wer gewinnen will, kommt früher oder später dahinter, dass es zum Bespiel eine Rolle spielt, mit wieviel Kraftstoff im Tank welcher Fahrer in ein Qualifying geht, wobei der jeweilige Verbrauch von der jeweiligen Fahrweise abhängt und einer genauen Dokumentation bedarf. Wer nicht akribisch Daten sammelt, gewinnt auch im Sports Cup keine Rennen – das ist es am Ende, was unsere Teamleistung ausmacht, nicht die Suche nach versteckten PS, die ohnehin von einem streng überwachten Reglement ausgeschlossen wird und nicht dem Geist der Serie entspricht.“ Auf dem Bilster Berg schwillt nach einer ausgedehnten Mittagspause im Streckenrestaurant allmählich das Motorengeräusch wieder an. Viele Fahrer verabreden sich, um miteinander die 4,2 Kilometer in Angriff zu nehmen – wenigstens so lange, bis sie sich unterwegs aus den Augen verlieren.

Das schnelle Fahren ‚unter Zug‘ durch die eng aneinander gefügten Kurvenradien, das körperlich sehr anstrengend ist und am Lenkrad den ganzen Mann fordert, führt schnell zu Abrissen in den einzelnen Fahrgemeinschaften. Natürlich gibt es auch materielle Unterschiede. Da mischen sich neuartige KTM X-Bow mit seltsam geformten Haubendächern unter die Phalanx der klassischen Sportwagenmarken, da brummen VW Golf TCR heutiger Machart im Windschatten der Edlen und Schönen einher. Wer eine Rundenzeit unter einer Minute und 50 Sekunden in den Asphalt brennt, ist schon einmal der König.

Thomas Nater (50) schafft das trotz leidlich auskurierter Fußverletzung. Nach der Mittagszeit setzt er sich in den giftgrünen GT3 RS, zieht an den Schaltwippen des Siebengang-PDK-Getriebes und gönnt sich ein paar schnelle Runden. Eingangs der Zielgeraden zieht er eine saubere Diagonale vom rechten zum linken Streckenrand, den er genau unterhalb der Fußgängerbrücke erreicht. Diese verbindet beide Teile des Fahrerlagers miteinander. Schon heißt es: hart anbremsen und einlenken in den Rechtsknick nach Start und Ziel, wo die ganz Abgezockten die vierte Welle gesteckt lassen. Das freilich ist mit Überwindung und dem Vertrauen auf den überbreiten Heckflügel des GT3 RS verbunden, der mit 120 Kilogramm nach unten drückt. Im Carrera Cup wird ein steilerer Anstellwinkel des ähnlich konturierten Hauptflügelblattes gefahren, der aerodynamisch erzeugte Anpressdruck steigt um weitere 20 Kilo.

Und erst die ‚Mausefalle‘, die Schlüsselstelle am Bilster Berg: Von oben kommend, fällt man scheinbar hinab in eine nach unten abbrechende Linksbiegung, deren Gegensteigung ein ähnlich flaues Gefühl in der Magengegend hinterlässt wie die rasante Auffahrt von der ‚Fuchsröhre‘ in den ‚Adenauer Forst‘. Der Druck auf der kurvenäußeren, der rechten Fahrzeugseite, ist nicht zu verachten, und nun wird auch klar, warum der GT3 RS hinten auf 21-Zoll-Rädern rollt. Die Reifenflanken sind so flach, dass sie nicht walken können. Als Thomas Nater nach ein paar Runden wieder aussteigt, wirkt er gelöst. ‚Ja, das hat was!‘, bestätigt er, ‚früher habe ich noch aktiv am Porsche Sports Cup teilgenommen. Inzwischen geht es nicht mehr, denn ich will ja meinen Kunden und Freunden gerecht werden.‘ Auf die Frage eines Umstehenden, wieso er einen Neuwagen umlackiert hätte in diesen grellen Grünton, muss er von Herzen lachen: ‚Der ist nicht lackiert, der ist foliert – einschließlich des Käfigs! Eigentlich sehe ich das ja als Kompliment, als eine Bestätigung. Klar – hier geht es um Individualität, um den feinen Unterschied zu anderen, gängigeren Farben wie ‚Lavaorange‘ oder ‚Ultraviolett‘. Die Bremssättel haben wir gleich mitbehandelt, damit alles zueinander passt.‘ Wenn die Saison zuende sei und erste Steinschläge vorlägen, könne immer noch über einen Teilersatz der Folie oder einen kompletten Farbwechsel zum Sportjahr 2018 hin entschieden werden. ‚In jedem Fall‘, findet Thomas Nater, ’schont eine Folierung den Originallack.‘

Das war schon 2004 so, als er einen steingrauen GT3 der Generation 996 in eine blau-weiße Nachfertigung des damals neu eingeführten GT3 RS verwandelte und eine große Aufmerksamkeit erntete. Mit ‚Acidgreen`ist ihm ein ähnliches Echo sicher – und gewiss auch der eine oder andere (medial bekannte) Nachahmer. Er nimmt’s als Anerkennung, denn er weiß: Wer schöner durch die ‚Mausefalle‘ pfeilt, der findet auch mehr Erfüllung bei seinem Hobby. Am Bilster Berg, wo es kameradschaftlich zugeht, und anderswo. Fazit: ‚Chaud Couture‘ wie die des Thomas Nater kann so schön sein, denn sie muss nicht immer nach Parfüm duften – Öl, Gummi und Schweiß tun es auch, zumindest unter echten Petrolheads!

werk1-23-Chaud-Couture-AP-Car-Design-Anzeige-U2; Concept by Carsten Krome

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome

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Automobile Kunstwerke: Dieser Aufgabe hat sich Thomas Nater mit seinem Unternehmen AP Car Design vor mehr als 20 Jahren verschrieben. Zugang zur offiziellen Website: http://www.ap-car-design.de/